Paderborn zeigt Herz für Flüchtlinge (2015)

Bezug: Menschenkette für Toleranz und Vielfalt / Nachbarschaft hilft Flüchtlingen
Leserbrief:

Paderborn zeigt ein Herz für Flüchtlinge
Als ehemaliger IT Manager in Altersteilzeit versuche ich seit einigen Wochen ehrenamtlich in
der Flüchtlingsbetreuung mitzuarbeiten.
Der Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern ist mir als
Mitarbeiter eines großen Paderborner IT Unternehmens nicht ganz fremd. Die fortschreitende
internationale Globalisierung unserer Wirtschaftssysteme macht vor keinen Grenzen halt.
Alles rückt näher. So verhält es sich auch mit den Krisengebieten der Welt. Über die
kriegerischen Auseinandersetzungen (z.B. in Syrien) wird fast täglich in unseren Medien
berichtet. Flüchtlinge gibt es in vielen Regionen der Welt. Nur ganz wenige schaffen es sich
nach Europa zu retten. In verschiedene Orte der Welt zerstreute, zerstörte und traumatisierte
Familien sind die Folge. Und wie geht es beispielsweise dann weiter für die Flüchtlinge die in
Paderborn gelandet sind?
Schon nach einigen Wochen konnte ich hierzu viele positive Erfahrungen sammeln. Sicher ist
vieles im Zusammenleben mit Flüchtlingen zu verbessern. Aber ich erlebe auch eine
steigende Hilfsbereitschaft die ich besonders in Paderborn-Ost hautnah miterlebe und
mitgestalten darf. Dies stimmt mich zuversichtlich, dass wir in Paderborn ein hohes Potential
an Hilfsbereitschaft haben. Dieses zu wecken wird nicht über Apelle gelingen sondern viel
mehr über Erfahrungen. Von diesen Erfahrungen / Hilfen seien hier nur einige genannt:
 Da gibt es eine Gruppe von Frauen und Männern die ehrenamtlich Sprachunterricht
erteilen. Die Sprache ist Dreh- und Angelpunkt und von besonderer Bedeutung und
muss möglichst schnell erlernt werden. Offizielle Kurse (Integrationskurse) werden in
der Regel erst nach Abschluss des Asylverfahrens genehmigt.
 An verschiedenen Stellen der Stadt öffnen Ehrenamtliche die Kleiderkammern und
helfen bei der Einkleidung von Flüchtlingen.
 Da sind die Familien, die gut erhaltene Kleidung zu den Sammelzeiten bei den
Kleiderkammern abgeben.
 Da ist der türkischstämmige Schuster, der einen gut erhaltenen Schulranzen spendet
und noch ein neues Schul-Etui dazulegt.
 Da ist die Hausmeisterin einer größeren Wohnanlage, die spontan vier gebrauchte
Kinderwagen aus der Wohnsiedlung organisiert und über die Kontakte zum
Evangelischen Kirchenkreis oder der Caritas den bedürftigen Flüchtlingsfamilien zur
Verfügung stellt.
 Da ist der junge Familienvater der zwei gut erhaltene Kinderfahrradhelme für einen
fairen Preis von 3 € über das Internet anbietet.
 Da ist die junge Mutter aus Elsen die ein fahrbereites Fahrrad spendet, damit ein
Flüchtlingskind den Weg zur Schule damit zurücklegen kann.
 Da ist ein Mädchen aus Grundsteinheim, das ihr altes funktionstüchtiges Fahrrad mit
Schloss für 20 € an Flüchtlinge verkauft.
 Da vermitteln und begleiten ehrenamtliche Mitbürger Flüchtlinge zu Arztterminen.
 Da leisten Ehrenamtliche Hilfestellung bei Formaliäten und Behördengängen
(Jobcenter, Sozialamt, Ausländeramt, Krankenkasse usw. ). In diesen Bereichen haben
selbst wir deutsch sprechende Mitbürger schon häufig Probleme sich zurechtzufinden.
Wissen Sie wo der Hoppenhof ist und wie Sie da hinkommen?
 Da sind auch die Schulen zu nennen, bei denen Flüchtlingskinder eingeschult werden
können. Beispielsweise gibt es in Paderborn mit dem Bonifatiuszentrum eine
Integrationseinrichtung von der es bundesweit nur eine Hand voll gibt. Oder auch die
Stephanusschule die mit einer eigenen Klasse für nicht deutschsprachige Kinder
aufwartet. Bei der Einschulung von vier Flüchtlingskindern in diesen Schulen habe ich
eine tolle Willkommenskultur und strahlende Kinderaugen gesehen. Wenn Eltern und
Kinder kein Deutsch oder Englisch sprechen muss auch bei der Einschulung
improvisiert werden. Die Kinder sind so hungrig auf die Schule und das Lernen, dass
sie schon nach sehr kurzer Zeit als die wichtigsten Dolmetscher der Familie agieren.
Da holt die Schulleiterin bei der Einschulung beispielsweise einen kleinen
Flüchtlingsjungen aus der Klasse zu Hilfe, selber keine 10 Jahre alt und dieser
übersetzt alle wichtigen Fragestellungen. Das hilft nicht nur sondern schafft auch
Vertrauen für die Neuankömmlinge und als Ehrenamtlicher Helfer freut mich so etwas
ganz besonders.
 Da ist die Familie mit einem an Anämie leidenden Kind, die ohne helfende
Unterstützung kaum in der Lage ist die Situation zu bewältigen.
 Da ist auch die Stadt Paderborn, die bemüht ist die Flüchtlinge menschenwürdig und
stadtnah unterzubringen und in diesem Zusammenhang vehement freien Wohnraum
sucht.
Und auf der anderen Seite sind dann die Menschen um die es geht. Schon nach wenigen
Kontakten und einer Kommunikation die häufig nur mit Händen und Füßen stattfinden kann,
da viele kein Deutsch oder Englisch sprechen, erlebt man die Flüchtlinge aus einer ganz
anderen Perspektive. Die Flüchtlinge haben ein Gesicht bekommen. Eine Geschichte, die über
das hinausgeht was wir in der Tagesschau sehen. Die meisten Flüchtlinge sind äußerst
dankbar für die Unterstützung die ihnen gegeben wird. Das es auch mal Menschen gibt bei
denen das nicht so ist, kennen wir von uns Deutschen bestimmt alle selbst. Das sollte uns aber
nicht von weiterer Hilfe abhalten.
Kontakte und Informationen zur Flüchtlingsarbeit bekommt man beispielsweise über
„MiCado - Fachdienst für Integration und Migration im Caritasverband“ oder über die
Internetplatform www.paderbunt.de .
Weiter so Paderborn!
Hubert Segin
Paderborn

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