Erzbischof stellt sich selbst ins Abseits
Die Entwicklung der letzten Monate zeigt wieder einmal deutlich, wie sehr sich unser Erzbischof Degenhardt selbst ins Abseits des Kirchenvolkes stellt.
Die Forderungen aus Rom, nach Rückzug der Amtskirche aus dem staatlichen System der Schwangerschaftsberatung mit Ausstellung von Beratungsnachweisen, wird umgehend in der eigenen Diözese umgesetzt. Erzbischof Degenhardt und Bischof Dyba zeigen vorbildliche Umsetzung der vatikanischen Anordnungen.
Die jahrelang durchgeführte Beratungspraxis vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) für Frauen in Konfliktsituationen wird abgeschafft. Die Ausstellung eines Beratungsscheines wird von der Amtskirche als Mithilfe zur Abtreibung interpretiert. Viele ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kirchlichen Beratungsstellen stehen in der Bredouille wie im Artikel vom 5. Februar (Interview mit Frau Lüdtke-Jansing, Vorsitzende vom SkF) zu lesen war. Sie stehen nun selbst in einer Konfliktsituation und verstehen die Welt, nein die katholische Kirche nicht mehr.
Die kirchlichen Beratungsstellen werden den Zugang zu Frauen in Schwangerschaftskonflikten verlieren. Der Bischof zieht sie allesamt ins Abseits. Frauen die in ihrer Not um vorbehaltslose Hilfe ringen und noch offen sind in ihrer Entscheidung sind werden aufgrund des Wegfalls der Beratungsscheine in Zukunft nur noch selten den Weg in die katholischen Beratungsstellen finden. Die Möglichkeit der kirchlichen Hilfestellung werden dadurch eingeschränkt. Die Amtskirche entfernt sich ein Stück mehr von ihren Schwestern und Brüdern.
Ich Frage mich manchmal, woran sich solche Entscheidungen überhaupt orientieren. Mit welchem Recht nehmen sich unsere Würdenträger der katholischen Amtskirche heraus sowohl helfende als auch direkt betroffene Menschen so vor den Kopf zu stoßen ?
Warum werden diese Barrieren gebildet, wenn doch alle nur helfen wollen ?
Was würde Jesus tun dieser Situation ? Für mich ist das eindeutig. Für Jesus gab es nie Vorbedingungen bei seinem Umgang mit Menschen. Er hat mit ihnen gelebt und diskutiert und am Ende stand immer die Gewissensentscheidung des Einzelnen im Fordergrund. Es hat uns die Freiheit gegeben uns für den einen oder anderen Weg zu entscheiden. Die Entscheidung der Amtskirche sich aus dem staatlichen System der Beratung zurückzuziehen ist für viele Laien und auch kirchlichen Mitarbeiter deshalb äußerst schmerzhaft. Die Möglichkeiten einer Hilfeleistung wird reduziert.
Am Ende wird die Frage stehen :
Wo ward ihr als ich in Not war und wo ward hier als ich
Hilfe brauchte ?
Kirchliche Bedienstete stehen unter disziplinarischem Druck und die Laienorganisationen können die Wunden so schnell überhaupt nicht versorgen wie sie entstehen.
Müssen die kirchlichen Mitarbeiter jetzt im Untergrund arbeiten ?
Hoffentlich nicht. Es gibt sehr viele Menschen die Leben schützen
wollen und auf eine offene Art und Weise im täglichen Leben
helfen.
Darunter sind neben den Laien auch viele Priester und Ordensmitglieder. Wenn man
beispielsweise im Urlaub auch mal in andere Diözesen und Gemeinden schaut wird
man sehen, das es viele kirchliche Mitarbeiter im Untergrund gibt. Verständnis
und Hilfe auf unterer kirchlicher Ebene ist scheinbar geduldet. Ärger gibt es
nur wenn es zu öffentlich wird. Ein wenig "drewermännisch" ist
vertretbar.
Scheinheilg – so überhaupt nicht christlich – wie ich finde. Ich finde es toll das die Laienverbände sich nicht den Mund verbieten lassen und den Konflikt mit der Amtskirche nicht scheuen. Solange das so ist, bleibt die Kirche lebendig, so lebendig wie die
5 Forderungen des Kirchenvolksbegehren aus dem Jahre 1995:
-
Aufbau einer geschwisterlichen Kirche
-
Volle Gleichberechtigung der Frauen
-
Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform
-
Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen
und bejahten Menschen -
Frohbotschaft statt Drohbotschaft
Es ist eine wirkliche tolle und frohe
Botschaft, das es immer wieder Menschen gibt, die in und außerhalb der
Amtskirche um diese Forderungen kämpfen.
Schließlich
sind wir alle Kirche !
Hubert Segin, Paderborn im Februar 2000