Die Suspendierung der kath. Priester durch die Amtskirche im Zusammenhang mit den am Rande des Ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin stattgefundenen gemeinsamen Abendmahlsfeiern mit katholischen und evangelischen Christen stößt nicht nur bei mir auf völliges Unverständnis.
Eucharistische Gastfreundschaft wird bereits seit Jahren tausendfach praktiziert. Wenn jedoch zwei Amtsträger der Kirche sich öffentlich dazu bekennen und ihrem Gewissen folgen schlägt die Amtskirche mit uneingeschränkter Härte, die einem Berufsverbot gleicht zu. Ich schäme mich für diese Amtskirche, die immer noch nicht bereit ist mehr das Verbindende als das Trennende unter den Christengemeinschaften in den Vordergrund zu stellen. Ich erlebe wie bereits seit Jahren auch in kath. Gemeinden unserer Diözese diese Gastfreundschaft für ökumenische Paare gelebt und angeboten wird. Nur still und leise !! Wenn dann ein Priester sich offen auf einer Großveranstaltung dazu bekennt schreitet die Amtskirche ein.
Ich verstehe
nicht, warum dieser kleine Schritt an die Öffentlichkeit mit einer in vielen
Gemeinden seit Jahren üblichen ökumenischen Gastfreundschaft nun solche Wellen
schlägt.
Im Geiste Jesu würde etwas mehr Großzügigkeit und Freiheit gut tun. Die
Fundamente der Kirche gerieten dadurch bestimmt nicht ins Wanken.
Schade, dass im 21. Jahrhundert immer noch das Kirchenrecht höher hängt als das Evangelium. Wenn Jesus heute leben würde - er würde wohl auch suspendiert - sofern er überhaupt ein Amt in der Kirche wahrnähme.
Die Amtsenthebung von Pfr. Bernhard Kroll ( durch Bischof Walter) und von Dr. Gotthold Hasenhüttl ( durch Bischof Reinhard Marx ) ist eine überzogene Kurzschlusshandlung. Engagierte Christen so unbarmherzig mit Berufsverbot zu belegen ist aus meiner Sicht zutiefst unchristliches Handeln. Ich behaupte das die überwältigende Mehrheit mündiger Christen und Theologen heute keine Barriere mehr für gemeinsame Mahlfeiern sehen und das aus meiner Sicht zu Recht. Die katholische Amtskirche hat ihre Glaubwürdigkeit zum wiederholten Male auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin verspielt. Die römische Amtskirche verweigert den Christen offiziell die gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft. Durch Drohbotschaft wie Enzyklika, dogmatische Aussagen und römische Direktiven sollen alle nach der römischen Pfeife tanzen.
Stellen wir lieber das Gemeinsame in den Vordergrund und überlassen wir die Überbewertung von Unterschieden den Fundamentalisten in Ihren Amtstuben. Lassen wir Sie abseits stehen. Letztendlich sind wir alle Kirche und es gibt so vieles das die Christen verbindet. Die Glaubensspaltung während der Reformation des 16. Jahrhunderts teilte die abendländische Christenheit zwar in katholische und evangelische Christen. Jedoch seit einigen Jahrzehnten ist man auf der Suche nach der Einheit. Dieses Bemühen offenbart sich in der ökumenischen Bewegung.Vieles eint katholische und evangelische (lutherische) Christen:
- der Glaube an Gott, seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist.
- die Heilige Schrift als Wort Gottes
- die Taufe und das "gemeinsame Priestertum" aller Getauften
- der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden nicht aufgrund eigener Leistung, sondern allein aus Gnade
- der Glaube, dass Gott durch den Hl. Geist unsere Herzen erneuert und uns zu guten Werken befähigt
- der Glaube, dass Christus in der Eucharistie/im Abendmahl mit Leib und Blut wirklich gegenwärtig ist
- das apostolische Glaubensbekenntnis, das "Große Glaubensbekenntnis", die Feier des Sonntags, viele Feste, Gebete, Lieder, etc.
-
der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der
Schöpfung
Freilich gibt es auch viele Unterschiede. Aber nicht alles, was verschieden ist, muss die Kirchen auch trennen. Unterschiede in den Gottesdienstformen, in den theologischen Schwerpunkten und in den Kirchenordnungen (z.B. Zölibat) können auch eine gegenseitige Bereicherung sein. Die gewünschte Einheit der Christen soll diese bunte Vielfalt nicht beseitigen. Das Ziel der Ökumene ist nicht eine Einheitskirche, sondern die "versöhnte Verschiedenheit" der Konfessionen. Pfr. Bernhard Kroll und Dr.Gotthold Hasenhüttl gebührt Dank und keine Strafe.
Hubert Segin, Paderborn im August 2003